Rund um dieses Haus in Austin, Texas blüht es auf

Ob Hühnerzüchten oder Sternegucken: Alle Mitglieder der Familie Dell durften ihre Leidenschaften bei der Transformation des Hauses mit einbringen.© Douglas Friedman.

Ein Anwesen in Texas wurde radikal neu gestaltet. Mit der Alhambra als Vorbild und viel Platz für die Natur.

Wer sich die Alhambra als Beispiel nimmt, jene Weltbauten Europas, der ist entweder mutig oder verrückt. Oder beides? Visionäre jedenfalls, das sind sie allesamt gewesen, die sich hier zusammengefunden haben, um dieses Haus in den grünen Hügeln westlich von Austin, Texas, neu zu erfinden.

Ein Dutzend ausgewachsener immergrüner Eichen spendet das ganze Jahr über Schatten. Im Zentrum des Gartens steht der neue, aus Ziegeln erbaute Moontower.© Douglas Friedman.

Da sind die Eigentümer: zum einen Steven Dell, ein Augenarzt, dessen Forschungsarbeit dabei geholfen hat, neue Katarakt- und Laser-Sehkorrekturbehandlungen in den USA zuzulassen; der mehrere medizinische Geräte und chirurgische Instrumente erfunden hat; dessen kontinuierliche Arbeit an neuen chirurgischen Verfahren mehrfach in medizinischen Fachzeitschriften behandelt wurde.

Zum anderen seine Partnerin Jamie Dell, die aus der Pflege kommt, sich neuerdings aber zu einer leidenschaftlichen Gärtnerin entwickelt hat.

Die große, luftige Veranda wurde neu angelegt. Rote Ziegelböden und -wände sowie rotbraune Details bilden einen angenehmen Kontrast zur umliegenden, üppig grünen Landschaft. ©Douglas Friedman.
In den Ecken und Enden des wilden Gartens dreht sich alles ums gesellige Zusammenkommen. Und wo geht das besser als an einer runden Feuerstelle?©Douglas Friedman.

Und da sind natürlich die federführenden Gestalter: der Architekt Paul Lamb und der Landschaftsdesigner John Sharp.

„Im Garten erlebt man eine Rückkehr zur Realität. Die Natur gewinnt.“-John Sharp, Landschaftsarchitekt

Erst 2002 war das Haus gebaut worden, im texanisch-toskanischen Stil: alter Stein, verschnörkeltes Eisen, schlecht geplante Räume. Die Transformation dauerte drei Jahre. „Es sollte ein Treffpunkt für Familie und Freunde werden, also brauchte es Bereiche zum Zusammenkommen“, erzählt Paul Lamb. „Vor allem aber musste es zeitlos wirken.“ Und, nicht zu vergessen: den Leidenschaften der Familie Ausdruck verleihen, für die Naturwissenschaften, den Gartenbau, die Kunst.

Die prägende Rolle der Natur setzt sich im Inneren des Hauses fort. Ob den Hühnern wohl klar ist, dass sie sich ausgerechnet in die Küche verirrt haben?© Douglas Friedman.
Schwarze Akzente wie die Treppe, Decke oder Säulen sollen auch im Wohnzimmer eine schattige Atmosphäre erzeugen. Zu genießen in Leder­sesseln von Bruno Mathsson.©Douglas Friedman.

„Das Haus sollte ein Treffpunkt werden. Also brauchte es Bereiche zum Zusammenkommen.“ - Paul Lamb, Architekt

Aber wo anfangen? Vielleicht am besten außen: Wachsende Gärten wurden geschaffen, die einladend und wohltuend wirken sollen. Aus perforierten Ziegeln entstand ein Moontower zum Sternegucken. Es gibt schattige Lauben, die zum Essen einladen, eine Cabana für die Gartenarbeit und eine Feuerstelle. Da der Sohn der Eigentümer eine neue Hühnerrasse züchten möchte, wurde ein Stall gebaut. „In diesem Garten taucht man vollständig in die natürliche Welt ein und erlebt eine Rückkehr zur Realität“, sagt John Sharp, „die Natur gewinnt.“

Abendessen an der frischen Luft? Dafür gibt es gleich mehrere Optionen. Diese hier wurde mit einer mächtigen Kupferlampe des Künstlers Isaac Maxwell ausgestattet.© Douglas Friedman.

Im Inneren hat Architekt Lamb loftartige Räume geschaffen, die von gefiltertem Tageslicht durchströmt werden. Auch hier spiegeln sich die vielfältigen Leidenschaften der Eigentümer wider. Das Mobiliar ist eine Mischung aus modernen, klassischen und lokalen Stücken. Ein großer Teil davon hatte sich bereits in den Sammlungen der Eigentümer befunden, darunter herausragende Kunstwerke, die nur noch platziert werden mussten.

Im Büro findet man außer Büchern über ­ Augenheilkunde auch zwei „Monk“-Stühle von Carlo Scarpa. Das Porträt stammt vom Maler Chuck Close und zeigt den Komponisten Philip Glass.©Douglas Friedman.

Dazu wurden Artefakte mit Geschichte zusammengesucht: Pflanzenobjekte, Kuriositäten, Mineralien, ausgelegt in den vielen Vitrinen, die das Haus in eine Wunderkammer verwandeln. Und ihm den Anschein geben, als sammelte hier schon jemand seit dem Mittelalter. Als wäre man in der Alhambra also. Nur ohne Touristen.

Architektur: Paul Lamb Architects,
Landschaftsgestaltung: Studio John Sharp,
Generalunternehmer: MG Construction

Mehr spannende Artikel für Sie