Helle Mardahl: Glas, Farbe und pure Lebensfreude

Helle Mardahl zählt zu Dänemarks berühmtesten Designerinnen. Sie arbeitet für ihr eigenes Label an der Schnittstelle von Funktionalität und Kunst. © Helle Mardahl.

Helle Mardahls buntes Universum - neben lebendigen Kontrasten und pastellfarbenen Nuancen liebt die Designerin vor allem eines: Glas.

Intensive Bonbonfarben, kugelige Formen und jedes Stück ein Unikat: Helle Mardahls von Hand gefertigten Glasobjekte versprühen gute Laune. Ihre verspielt wirkenden Vasen, Gefäße und Leuchten changieren an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design, sie vereinen Kontraste wie Einfachheit und Extravaganz und erscheinen dabei gleichermaßen robust wie zerbrechlich.

„Nachdem ich zum ersten Mal für eine Kunstinstallation mit Glas gearbeitet hatte, habe ich mich völlig in das Material und den Herstellungsprozess verliebt“, erzählt die 1976 geborene Dänin, die in Kopenhagen lebt und arbeitet. „Glas ist so extrem unberechenbar und organisch. Man weiß nie, wie das Objekt am Ende aussehen wird, und ich finde diesen unvollkommenen und unvorhersehbaren Prozess einfach großartig. Jedes Stück ist einzigartig, ein Stück Handwerkskunst“, so die Künstlerin.

Leuchtende Objekte: Für ihre organischen Entwürfe lässt sich die Künstlerin von nostalgischen Filmen und Kindheitserinnerungen inspirieren. © Alastair Philip Wiper.

Bevor sie den Werkstoff Glas für sich entdeckte, machte Helle Mardahl einen Abstecher in die Mode, studierte am Central Saint Martins in London Fashion Design, war aber schnell frustriert vom wenig nachhaltigen Konzept, in jeder Jahreszeit eine neue Kollektion hervorbringen zu müssen. Sie strebte nach dem Bleibenden, wollte etwas Zeitloses, Wertvolles schaffen, das die kleinen Momente des Lebens schöner, bedeutungsvoller und unvergesslich macht.

Kurzerhand gründete die Dänin ihre eigene Brand und schafft seither einfach erscheinende Objekte mit hohem Wiedererkennungswert. Das liegt vor allem an ihrer einzigartigen Farb- und Formensprache.

Ich finde meine Farben und Designs immer, indem ich meine Sinne und Gefühle durchforste. Die Farben, die ich auswähle, die Kombinationen, die ich zusammenstelle, und die skulpturale Sprache sind alles Elemente, die eine Harmonie oder einen schönen Tanz der Emotionen erzeugen müssen. Sobald ich das gefunden habe, weiß ich, dass es etwas Gutes ist. Natürlich müssen meine Designs auch optisch ansprechend sein, aber es geht auch um Erinnerungen, um sentimentale Werte und um Geschmack. Deshalb benenne ich die Farben, die ich verwende, immer nach Aromen, um alle Sinne anzusprechen“, sagt Helle Mardahl.

Ganz neue Kreationen entstehen bei ihr, indem sie versucht, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn sie es beschreibt, klingt ihr Prozess nach Kreativität auf Knopfdruck: „Ich hätte gerne eine weiche, bauchige Tasse, aus der ich morgens meinen Kaffee trinken kann – dann machen wir eine. Ich suche die perfekte Lampe für meine Wand – dann machen wir eine. Das hört sich sehr einfach an und das ist es auch. Es geht darum, die kleinen Momente des Alltags schön und farbenfroh zu gestalten“, so die Designerin.

© Helle Mardahl.
© © Helle Mardahl.
©© Helle Mardahl.
Candy-Crush: Helle Mardahls geschwungenen Objekte verbinden Kunst und Funktion auf besonders schöne Weise: Ihre Entwürfe sind nicht nur einzigartig und ästhetisch - sie lassen sich auch als Lampen nutzen. © Helle Mardahl.

Um kreativ tätig zu werden, hat Helle Mardahl gern Menschen, Farben, Musik und ein kleines bisschen Chaos um sich herum. „Ich liebe meine derzeitige Arbeitsweise. Ich teile mir ein Büro mit meinen Kolleginnen und wenn ich kreativen Freiraum brauche, gehe ich in mein Archiv mit all meinen Farbmustern und Objekten, höre laute Musik, vorzugsweise Róisín Murphy, trinke meinen Kaffee aus meiner Lieblingstasse, der Cup Medi, und zeichne und skizziere einfach vor mich hin“, so die Dänin.

Trends und Moden umgeht sie dabei bewusst, wählt immer die Farben und Formen, die ihr am besten gefallen und so zeitlos wie möglich erscheinen.

Beim Gestalten hat Helle Mardahl immer auch die zukünftigen Besitzerinnen ihrer Objekte im Kopf: „Ich möchte, dass sie etwas Gutes empfinden, und hoffe, dass die Farben, die ich präsentiere, und meine glänzenden Objekte aus Glas die Menschen zum Lächeln bringen.

Zwischen den knallroten Wänden kommen Helle Mardahls bonbonfarbenen Objekte aus Licht und Glas besonders gut zur Geltung. © Helle Mardahl.

Ein bevorzugtes Stück unter ihren Entwürfen hat sie nicht, Helle Mardahl ist stolz auf ihre gesamte Kollektion. Nur die Lampen haben, als ihre allerersten Objekte, einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen.

Aktuell bereitet sich die Kreative auf ihre erstmalige Teilnahme an der Maison & Objet in Paris im Januar 2026 vor, wo sie eine große Installation zeigt. Dass sie auch in Zukunft dem Glas treu bleiben wird, ist gewiss: „Es ist einfach das einzige Arbeitsmaterial, das mich fortwährend fasziniert. Es ist wie eine Liebesgeschichte zwischen mir als Designerin, dem Handwerk und dem Glas.

✦ Bettina Krause