Die letzte ihrer Art: eine ehemalige Tankstelle wird zum Wohnhaus

Zwei Architekten haben in Süddeutschland eine Aral-Tankstelle aus den 1950er-Jahren zum Wohnhaus umgebaut.
Wer in einer ehemaligen Tankstelle wohnt, muss damit rechnen, dass Menschen anhalten, nach dem Weg fragen oder Getränke kaufen möchten. Oder die mal schauen möchten, was aus dem Gebäude geworden ist, in dem sie als Jugendliche mit dem Mofa das erste Mal Zigaretten gekauft haben.
„Das ganze Objekt ist damals designt worden, um Kundschaft anzuziehen“, sagt Marcus Ehrhardt. Breite Zufahrt, große Fenster. Und viele, die vorbei kamen, erzählt Ehrhardt, sagten einen Satz: „Das wollte ich auch schon mal kaufen!“

Ehrhardt und seine Partnerin Katja Altmann, beide als Architekten im Freiburger Architekturbüro Sacker tätig, haben es getan: die ehemalige Aral-Tankstelle in Kirchzarten, einem kleinen Dorf im Südschwarzwald, gekauft, saniert und zum Wohnhaus umgebaut – und damit offenbar nicht nur ihren eigenen, sondern den Traum vieler Menschen zum Leben erweckt.
Die Tankstelle wurde in den 1950er-Jahren als Dreier-Ensemble aus Verkaufsraum, Werkstatt und Waschanlage an der Bundesstraße 31 gebaut. Nachkriegsmoderne, die Baustoffe waren knapp, also baute man funktional und filigran. Man sieht das am Vordach, das nur auf einer zarten Stütze ruht, an dünnen Fensterprofilen, am schmalen Dach. Schon wenig später setzten neue Gesetze und Normen der noch jungen Epoche wieder ein Ende.

1980 wurde der Tankstellenbetrieb eingestellt. Danach folgten jahrzehntelanger Leerstand, ein Dasein als Oldtimergarage, fast der Abriss – wohl nur wegen einer Krankheit ließ ein Vorbesitzer seine Abrissgenehmigung auslaufen.
Im Jahr 2022 kamen schließlich Ehrhardt und Altmann zum Zug. Und fanden einen „Lost Place“ vor, wie Altmann sagt: wilden Wein, der durch eingeschlagene Fenster rankte, Tapeten, die abblätterten, Bodenbeläge, die sich lösten. Aber auch: drei große, lichtdurchflutete Räume und obendrein große Fenster auf der Rückseite, die unter weißer Farbe versteckt waren. In diesem Moment wussten sie, dass der Plan vom Wohnen aufgehen könnte.
Das erste Jahr verging mit Bauanträgen und Genehmigungen, die man braucht, wenn man ein denkmalgeschütztes Industriegebäude im Außenbereich zum Wohngebäude umwandeln möchte. Erst dann wurde saniert, stets den einmaligen Charakter des Gebäudes im Blick haltend.
Das Vordach, die großen Fenster und Tore, die geflieste Fassade und die luftigen Räume wollten Ehrhardt und Altmann unbedingt erhalten. Aus Nostalgie ersteigerten sie sogar Aral-Tanksäulen aus der entsprechenden Epoche dazu.


Ohne Rückschläge ging das alles natürlich nicht vonstatten. Unter anderem musste die komplette Betondecke aufwändig saniert werden. Ein bisschen blauäugig seien sie wohl schon gewesen, sagt Ehrhardt: „Hätte man länger darüber nachgedacht, wäre man vielleicht zu dem Schluss gekommen, es nicht zu tun“.
Ist man aber erst einmal fertig, lässt es sich gelassen zurückblicken auf die Strapazen, die man durchgemacht hat. Und sogar an die nächste Herausforderung denken. Der asphaltierte Hof soll bald in einen Garten umgewandelt werden. Spätestens dann dürfte es auch mit den spontanen Besuchen vorbei sein.