Dieses Wüstenhaus in Utah wuchs aus einem Lavafeld

Auf vulkanischen Felsen in der Wüste Utahs ordnet sich ein Haus radikal der Landschaft unter, als wäre es aus der Erde selbst erwachsen.
Gute Lagen zum Wohnen? Die findet man am See. Am Meer. Im Grünen. Und wohl auch in der Wüste, wie dieses Haus beweist. Es steht im nördlichen Ausläufer der Mojave-Wüste, in Utahs Südwesten, unweit der Grenze zu Arizona. Das allein klingt schon ziemlich heiß, aber es befindet sich auch noch auf einem uralten Lavafeld, das durch den Santa-Clara-Vulkan geformt wurde, dessen Basaltströme die Landschaft prägen. Am Horizont rahmen die rot leuchtenden Sandsteinformationen des Red Cliffs Desert Reserve das Gelände ein, in der Ferne ragt der Gebirgszug der Pine Valley Mountains auf.

Inmitten dieser rauen Schönheit und umgeben von Josuabäumen und Kakteen scheint das „Rock House" direkt aus der Erde gewachsen zu sein. „Es sollte wirken, als hätte es schon immer hierhergehört", erklärt Jourdan Hammond, Gründerin des Design Studios JAC mit Sitz in Miami und Belgien. Für die Eigentümer sollte es ein Refugium in der Wüste sein. Zur Ruhe kommen, sich mit der Natur verbinden, Inspiration finden, darum geht es ihnen. Und um ein zweites Zuhause, wann immer ihre Arbeit sie in diese Region führt.

Das Haus erstreckt sich über zwei Ebenen. Die Hauptebene ist als offener Wohn- und Essbereich konzipiert, der fließend in Küche, Bar und Frühstücksbereich übergeht. Neben der Hauptsuite mit Bad und begehbaren Kleiderschränken gibt es eine Juniorsuite, Gästezimmer, ein Homeoffice und einen Bereich für Personal. Im Untergeschoss laden ein Kino, ein Fitnessraum, eine Butlerküche und ein spa-ähnlicher Pool zu einem ruhigeren Lebensrhythmus ein. Die Eigentümer hatten das Haus erworben, als es nach einem Brand vollständig entkernt worden war. Ein Glücksfall für die Gestalter: „Das verschaffte uns eine enorme kreative Freiheit", sagt Hammond. Jede Oberfläche, jede Proportion, jedes Detail konnten sie neu denken.
Während sich viele Projekte langsam entwickeln, skizzierten sie dieses direkt nach dem ersten Besuch, während des fünfstündigen Rückflugs nach Miami. „Es fühlte sich an, als hätte das Haus nur darauf gewartet, realisiert zu werden", so die Innenarchitektin. Ein Dialog mit der Landschaft prägte jede Entscheidung. Etwa die Farbe: Das Designteam dokumentierte vor Ort jede Nuance der Wüste – das gedämpfte Grün der Kakteen, das staubige Taupe des Lavagesteins, die zarten Rosétöne des Sandsteins in der Dämmerung – und übertrug sie auf die Materialien des Hauses. „Wir haben sogar Lavasteine gesammelt, um den Farbton des Außenputzes exakt darauf abzustimmen", erzählt Hammond.



Auch das Interieur spiegelt das geerdete Umfeld wider. Kalkverputzte Wände streuen das Wüstenlicht zu einem weichen Schimmer. Breite Dielen aus belgischem Holz greifen die dunklen Töne des Vulkangesteins auf. In den Schlafzimmern erzeugen fugenlose Mikrobetonwände und -böden eine umhüllende Ruhe. Im Wohnbereich erhebt sich ein Kamin aus kaltgewalztem Stahl über die gesamte Raumhöhe. Im ganzen Haus wirken steinerne Inseln, geschliffene Arbeitsflächen und skulpturale Einbauten fast wie geologische Formationen – eher geformt als gebaut.

Als es schließlich ans Styling ging, kletterte das Team aufs Neue über die Lavabrocken auf der Suche nach skulpturalen Fundstücken. Statt Blumen sammelte es getrocknete Zweige und Gräser. Und selbst als später ein Landschaftsteam das Gelände aufräumte, konnten die Designer nicht widerstehen, im Schnittgut nach weiteren Schätzen zu suchen. „Die waren völlig verwirrt", sagt Jourdan Hammond. Weil das, was sie als Abfall gesammelt hatten, für andere plötzlich wertvoll war.
Alle Fotos stammen von Design Studio Jac & Pilarshoots