Kopenhagen: Design, Food & Nordic Lifestyle

Besuch beim Klassenbesten: Kopenhagen setzt Trends in Design, Architektur und Kulinarik. Und bleibt trotz alledem angenehm bescheiden.
Haben Sie eigentlich die Kleine Meerjungfrau schon mal aus der Nähe betrachtet? Ganz schön klein. Noch winziger wirkt sie, wenn man andere Embleme wie die Freiheitsstatue, den Eiffelturm oder das Brandenburger Tor zum Vergleich heranzieht. Aber gerade deswegen passt sie so perfekt zur Hauptstadt Dänemarks.
Kopenhagen protzt und blinkt nicht, sondern ist bescheiden und zurückhaltend. Manche würden sagen: nordisch gelassen eben. Hier sind die Menschen gut gelaunt und all die schönen Dinge des Lebens haben Platz, ja mehr noch: werden auf Weltniveau betrieben. Ob Design, Architektur oder Kulinarik, in allen Bereichen spielt Kopenhagen vorne mit. Und zwar nicht einfach so, sondern oft noch auf besonders nachhaltige Art und Weise.
In Kopenhagen ist dadurch schon heute spürbar, wie ein zukunftsgewandter Lebensstil aussehen kann. Er zeigt sich in der Pflege historischer Orte, zum Beispiel der bunten Giebelhäuser am Nyhavn, ebenso wie in spektakulären Neubauten, etwa dem CopenHill, einer revolutionären Müllverbrennungsanlage, die zugleich als Wander- und Skiberg funktioniert.
Tradition und Zukunft, Heimatbewusstsein und Offenheit für Einflüsse aus aller Welt, das zeichnet Kopenhagen aus. Obendrein der Mut, mal etwas Verrücktes zu versuchen. Und guten Kaffee bekommt man hier auch noch.
FREITAG
+++ Mittag +++
Selbstverständlich möchte man in Kopenhagen ein hyggeliges Wochenende verbringen, gemütlich und entspannt also, und das beginnt schon mit der Unterkunft. Hygge ist ja längst auch ein Designbegriff.
Das Hotel Alexandra hat seine Zimmer dafür mit weltberühmten dänischen Vintage-Möbeln aus den 1950er- bis 1970er-Jahren eingerichtet, die man im Laufe der Zeit gesammelt hat. Das ist außerdem nachhaltig.
So wie in der Villa Copenhagen, die auf verantwortungsvollen Luxus setzt, indem man dort regelmäßig neue Konzepte der Wiederverwendbarkeit testet.
Und es darf gern funktional sein: Im nagelneuen Hotel Locke kann man sich sogar mal selbst ein Spiegelei braten. Alle Zimmer verfügen über eine eigene kleine oder große Küche.


+++ Nachmittag +++
Kopenhagen ist die Stadt der alternativen Verkehrsmittel. Das Fahrrad bleibt aber erst mal noch stehen: Die City entdeckt man am besten zunächst auf andere Weise.
Etwa mit einem der komfortablen Elektroboote von GoBoat, mit denen man den Hafen erkundet. Die haben einen Picknicktisch an Bord, Speisen und Getränke kann man selbst mitbringen oder einfach dazubuchen.
Zu langsam? Dann fahren Sie doch eine Runde Achterbahn im Tivoli, dem zweitältesten Vergnügungspark der Welt.
Für sportlich ambitionierte (und erprobte) Besucher hält der CopenHill eine Challenge bereit: Damit meinen wir aber nicht die revolutionäre Müllverbrennungsanlage in seinem Inneren, sondern die 85 Meter hohe Kletterwand an der Fassade. Wer traut sich?
+++ Abend +++
Haben Sie schon von der New Nordic Cuisine gehört? Zugegeben, ganz neu ist sie nicht mehr. Anfang der 2000er startete diese Bewegung, die skandinavische Zutaten mit einer modernen Küche verband, auch aus Kopenhagen heraus.
Und sie lebt heute noch, beispielsweise im Restaurant Mark, in dem saisonale und regionale dänische Lebensmittel in gehobene Bistrogerichte verwandelt werden.

Im Restaurant Vækst dreht sich alles um frische nordische Kräuter und Gemüse, passend dazu sitzt man direkt in einem grünen Gewächshaus. Aber auch hochwertiges Fleisch, Fisch und Seafood spielen hier eine Rolle.

Im Restaurant Bobe serviert Spitzenkoch Bo Bech seine ehrliche, fast romantische Küche in einem Haus von 1731.
SAMSTAG
+++ Morgen +++
Höchste Zeit, über Kaffee zu sprechen, oder? Alles in allem nur eine weitere Disziplin, die man im Norden Europas mindestens genauso leidenschaftlich verfolgt wie im Süden (oder noch leidenschaftlicher?).
In den stylishen Coffeeshops und Bäckereien von Andersen & Maillard jedenfalls werden die Bohnen aus El Salvador, Äthiopien oder Kolumbien natürlich selbst geröstet.
Im Atelier September kommen auch Historiker auf ihre Kosten, denn dort werden zum Kaffee erlesene vegetarische Speisen auch mal auf 150 Jahre alten etruskischen Tellern serviert.
Und kennen Sie noch Danish Butter Cookies, die Kekse in den blauen, runden Dosen? Bei Juno the Bakery werden diese Klassiker wie Shortbreads, Vanillekränze und Buttergebäck noch (oder besser gesagt: wieder) von Hand hergestellt.


+++ Vormittag +++
Dänisches Design hat längst die Welt erobert, ein Aufenthalt in Kopenhagen darf somit gerne als Bildungsreise betrachtet werden. Der Samstagvormittag steht deshalb im Zeichen der Showrooms und Flagship-Stores der Stadt.
Man könnte einmal im Audo House vorbeischauen, wo seit 2019 die Designmarke Audo Copenhagen ihren Sitz hat und Besucher im Concept-Store, Café und sogar im hauseigenen Boutiquehotel empfängt.

Oder in der historischen St. Paul’s Apotheke von 1878: Hier befindet sich der Frama Studio Store, in dem das gleichnamige Designstudio seine Werke präsentiert.

Und natürlich ist auch der Fritz Hansen Store im historischen Stadtzentrum einen Besuch wert, wo die Möbelikonen und neuen Designstücke der weltbekannten Designmarke erlebbar werden.
+++ Mittag +++
Die Kunst des Mittagessens wird auch in Kopenhagen beherrscht, wenn nicht gar zelebriert – traditionell in Form von Smørrebrød. Das sind reich und manchmal noch reicher belegte Schnitten, denen die Übersetzung als „Butterbrot“ definitiv nicht gerecht wird. Schon allein, weil man dafür ein Lokal aufsucht.
Im Restaurant Møntergade etwa bekommt man sie mit frittierter Scholle oder gepökelter Kalbszunge.
Im Restaurant Palaegade kann man auf hausgemachtem Roggenbrot zwischen Klassikern wie Roastbeef und modernen Versionen wie frittiertem Ei, Shrimps und Kaviar wählen.

Und zuletzt, als ob es noch einen weiteren Beweis benötigt hätte, erhält man im Aamanns 1921 Brote mit biologischen und saisonalen Zutaten wie kaltgeräuchertem Lachs oder Dry-Aged Beef-Tartar.

+++ Nachmittag +++
Bereit für einen weiteren Deepdive in die dänische Welt von Design, Architektur und Kultur? Dann rein in den Stühletunnel des kürzlich renovierten Designmuseum Danmark, der gerade Teil der Ausstellung „Danish Modern“ ist und 125 bekannte und weniger bekannte Sitzgelegenheiten zeigt.
Oder direkt die 40 Meter hohe und vier Stockwerke passierende Tunnelrutsche runter, die der deutsch-belgische Künstler Carsten Höller für das DAC Danish Architecture Center geschaffen hat (und die natürlich nicht die einzige Sehenswürdigkeit des Museums ist).
Selbst Underground kann Kopenhagen: Unter der Stadt liegt die Cisternerne, ein ehemaliges Wasserreservoir, dunkel und feucht, das heute als Raum für Kunst genutzt wird – und in dem dieses Jahr die Künstlerin Marina Abramović zu Gast sein wird.

+++ Abend +++
So bescheiden sich Kopenhagen gelegentlich auch geben mag – beim Essen geht man hier auch gerne in die Vollen. Die Stadt ist nicht umsonst eine der Hochburgen des Fine Dinings in Europa.
Nordisch-französisch geht es meist zu, so auch im Restaurant Epicurus.
Aber Kopenhagen ist zudem eine Hafen- und Weltstadt. So bekommt man auch gehobene asiatische Küche: im Restaurant Superbon in Form von dampfenden Bao Buns, gegrilltem Hummer oder knusprig gebratenen Soft Shell Crabs.
Und dann wäre da noch das Alchemist, ein Restaurant wie kein anderes auf der Welt. Sternekoch Rasmus Munk gestaltet das Dinner als sechsstündiges holistisches Erlebnis. Zeitweise sitzt man in einer Art Planetarium. Wenn man einen Platz bekommt.



SONNTAG
+++ Vormittag +++
Nur weil man gut zu Abend gegessen hat, muss man sich beim Frühstück doch nicht einbremsen, oder? Schließlich gibt es noch so viele Delikatessen zu verkosten, dänische und andere.
Seien es die handwerklich hergestellten Roggen- oder Sauerteigbrote der Københavns Bageri, in der man den Bäckern bei der Arbeit zusehen kann.

Sei es ein üppiger Brunch in einer der Filialen von Mad&Kaffe, mit Filterkaffee oder Matcha Latte in der Hand und Croissant oder gegrilltem Broccolini mit Miso-Mayo auf dem Teller.

Oder Sie bleiben in der Rug Bakery einfach sitzen und gehen vom Frühstück direkt zum Mittagessen über, von Granola auf Focaccia, von French Toast auf Flank Steak. Weil: warum nicht?