72 Stunden in Zürich – Zwischen Käsefondue, Design und Großstadtflair

© Mattias Nutt/ Zürich Tourismus.

In der Schweizer Hauptstadt verschmilzt nicht nur Käse mit Käse, sondern auch Geschichte mit Fortschritt, Provinz mit City-Life. Wir haben das perfekte Zürich – Wochenende zwischen Erholung und Design zusammengestellt.

Natürlich ist Zürich auch sein Klischee. Wer also hierher kommt, auch verlangen darf – aufgeräumt, gepflegt, zurückhaltend. Malerisch gelegen obendrein, nicht zuletzt dank des Zürichsees vor der Haustür, der dazu noch sein hellblaues Wasser über den Fluss Limmat in die Stadt ergießt.

Gleichzeitig ist Zürich eine Großstadt, fast eine halbe Million Menschen leben hier. Zürich ist also auch im besten Sinne urban, es strebt in die Zukunft, ohne dabei den Blick in die Vergangenheit zu vergessen, in seine Geschichte und Traditionen. Kreative aus allen Bereichen, Spitzenköche, Architekten und Designer treiben die Stadt an und verwandeln Zürich zu einer Mini-Metropole, die mit den großen Städten der Welt mithalten kann. Zürich entspannt, und Zürich inspiriert.

FREITAG

+++ Mittag +++

Wie wäre es, in einer Großstadt anzukommen, aber trotzdem erstmal im Grünen zu sitzen? In Zürich gibt es einige Boutique-Hotels, die genau das bieten: hohen Standard, ein stylisches Ambiente und ein grünes Plätzchen im Garten oder auf der Terrasse, um die Strapazen der Anreise abzuschütteln.

Im 25hours Hotel Zürich West wird man mit offenen Handschuhen empfangen. © Stephan Lemke/25hours
Wer als Gast ins Widder Hotel in der Zürcher Altstadt eincheckt, darf sich auch auf den weißesten Sitzgelegenheit niederlassen. © Stefania Giorgi.

Wer in Unterkünften wie dem Hotel Widder, dem Hotel Helvetia oder dem 25hours Hotel Zürich West eincheckt, kann sich auch noch an den hauseigenen Bars oder Restaurants für die erste Erkundungstour durch Zürich stärken.

+++ Nachmittag +++

Vielleicht beginnt man mit einem Dreiklang der Schweiz-Klischees, um sich Zürich anzunähern: Banken, Uhren und Schokolade. Die ersten beiden bekommt man auf einen Schlag im AP House des Edel-Uhren-Herstellers Audemars Piguet. Die Boutique liegt in den einstigen Empfangshallen der Bank Leu und ist auch offen für alle, die sich nur mal kurz im prächtigen Ambiente aufwärmen möchten.

Heiße Schokolade? Von wegen. Im Sprüngli-Haus am Paradeplatz trinkt man eine Chocolat Chaud aus Grand Cru Schokolade nach überliefertem Hausrezept.© Sprüngli.

Die Schokolade, heiß oder kalt oder als Praliné, holt man sich am besten direkt beim Hersteller, im Café des ikonischen Sprüngli-Hauses am Paradeplatz. Bereit für einen etwas anderen Blick? Dann besuche man den Pavillon Le Corbusier, das letzte Meisterwerk des berühmten Architekten. Der ist beeindruckend von Außen (ganzjährig) und Innen, wo in den Sommermonaten wechselnde Ausstellungen zu dessen Wirken gezeigt werden.

+++ Abend +++

Es ist an diesem Punkt nur konsequent, auch beim Abendessen nach Schweizer Klassikern zu suchen. Zum Glück pflegt Zürich seine kulinarischen Traditionen noch an einigen Orten exzellent. Sei es die feinbürgerliche Schweizer Alpenküche, die man im Lindenhofkeller serviert bekommt, und wo man nebenbei noch lernt, was Botzibirnen und Schlorzifladen sind.

Fischer’s Fritz fischt frischen Zürichsee-Fisch. Und serviert ihn im gleichnamigen Kult-Beisl mit Blick aufs Wasser.© Fischer's Fritz.

Sei es ein „Chäsfondue“ in der gediegenen Wirtschaft Degenried, das auf einer Waldlichtung am Adlisberg im Osten der Stadt liegt. Oder frischer Seefisch in Form von Knusperli, einer Art Backfisch aus Felchen, Egli oder Hecht, im Fischer’s Fritz direkt am Ufer des Zürichsees.

Waidmannsheil: Die Wirtschaft Degenried liegt mitten im Wald, folgerichtig isst man hier (auch) Wild. Oder Schweizer Klassiker wie ein Zürigschnätzlets.© Degenried.

SAMSTAG

+++ Vormittag +++

Der ideale Zeitpunkt für ein bisschen Shopping. Warum? Weil am Sonntag (fast) alles geschlossen hat. Statt zu den großen Ketten wandelt man am besten zu einem der vielen Designer oder Manufakturen, die direkt in Zürich produzieren – und auch verkaufen.

Im Store des Espressomaschinen-Herstellers Zuriga wird der Ausflug noch zur Bildungsfreise. Hier lernt man, wie man mit den hauseigenen Maschinen Kaffee kocht. © Anne Gabriel-Jürgens/Zuriga.

Zum Beispiel Zuriga, dessen edle Espressomaschinen man im eigenen Store testen kann. Oder den Showroom von Sirokris, einem Designer-Duo, das sich auf Möbel aus Metall spezialisiert hat. Ein bisschen bunter soll es sein? Im Studio Dehgraf glänzen exzentrische Vasen und Lampen in Grün-Metallic oder Babyblau.

+++ Mittag +++

Man darf Zürich zugute halten, dass auch Toastbrot die Bühne bekommt, die es verdient. Zuvorderst im Café Odeon, dessen Club-Sandwich vielleicht schon Albert Einstein gegessen hat. Oder, bunter und moderner, im Restaurant Roter Delfin, wo hauseigener Sauerteig-Toast mit regionalen Bio-Produkten und hausfermentiertem Kimchi zum Grilled-Cheese für Fortgeschrittene verwandelt wird.

Das Café Odeon im Herzen Zürichs empfing schon Gäste wie Lenin und Einstein. Und bald auch Sie. Zufall?©alink/Odeon.

Zu viele Kohlehydrate? Dann probieren Sie doch das Tatar vom Schweizer Lachs in der Fischerstube direkt auf dem Wasser. Das Restaurant in Pfahlbauweise steht am Zürichhorn im Süden der Stadt.

+++ Nachmittag +++

Das Viertel Zürich-West, einst Industriegebiet, ist heute ein Spielplatz für Kreative. Und für Turmliebhaber. Dort ragt der Prime Tower empor, ein gläserner Riese mit imposanter Eingangshalle und Rooftop-Bar. 150 Meter weiter steht ein ganz anderer Riese: der Freitag Tower aus gestapelten Frachtcontainern. Das gleichnamige Unternehmen stellt dort auf vier Etagen seine Taschen aus recycelten LKW-Planen aus.

Dank an die Fensterputzer: Von der Rooftop-Bar des Prime Tow- ers überblickt man das einstige Industrie-Quartier Zürich-West. © lerichti/ Philip Heer.
Die Towers-Skulpturen sind aus Schweizer Stein und sollen eine Hommage an die industrielle Vergangenheit des Viertels sein. © Christian Beutler/ Zürich Tourismus. Los Carpinteros/Tower.

Und, Türme, die Dritte: die Towers des kubanischen Duos Los Carpinteros, monumentale Skulpturen, die an Aufsätze für den Akku-Schrauber erinnern.

Treffpunkt für Recycling-Fans: Neben den altbekannten Taschen bekommen im Freitag Tower auch alte Container ein zweites Leben, und zwar als Turm © Martin Rütschi/ Zürich Tourismus.


+++ Abend +++

Dass Zürich mehr zu bieten hat als Schweizer Klassiker, wurde schon angedeutet. Jetzt geht es dorthin, wo das kulinarische Herz der Stadt international schlägt. Zum Beispiel ins Restaurant KLE, wo die Chefin Zineb „Zizi“ Hattab kreativ mexikanische und marokkanische Einflüsse zu einem veganen Menü verbindet.

Im Mikuriya im Luxushotel The Dolder Grand weiß man selbst mit Seeigeln umzugehen. © Charles Negre.

Ins Mikuriya, wo Küchenchef Atsushi Hiraoka edles Sushi direkt vor den Augen der Gäste zubereitet. Oder ins Restaurant Gül, wo Elif Oskan zeigt, wie man mit türkischem Essen Herzen erwärmt.

Im Gül isst man Mercimek Salatası. Das ist türkisch für Linsensalat, klingt und schmeckt aber besser. © Charlotte Fischli.

SONNTAG


+++ Vormittag +++

Heute mal ausschlafen? Kein Problem in Zürich, denn der Brunch, auch bekannt als spätes Frühstück, wird auch hier beherrscht. Besonders elegant geht das sonntags ab 12 Uhr im Restaurant Saltz, ein Traum in Blau-weiß-rot, den der Künstler Rolf Sachs entworfen hat.

Die Küche im Roten Delfin: regional, saisonal, eingemacht ( von der Holunderblüte bis zur Habanero-Chili). © Roter Delfin.

Ungezwungener läuft der Morgen ab 9 Uhr bei Egg Benedict und Pancakes in der Bar Campo. Oder im Café Nude, wo man unter knallgelben Sonnenschirmen direkt am Fluss Limmath sitzen kann.

+++ Nachmittag +++

Nach dem Brunch widmet man sich am besten der großen Kultur. Im Westen der Stadt liegt das Löwenbräukunst-Areal auf dem Gelände einer umgebauten Brauerei, zu dem unter anderem das Kunsthaus Zürich und das Museum für Gegenwartskunst gehören. Das Museum für Gestaltung sammelt schon seit 1885 Designobjekte, zum Beispiel den legendären Rex Sparschäler. Kein Wunder also, dass es heute das führende Schweizer Museum für Design und visuelle Kommunikation ist. Und dann bleibt noch das kulturhistorische Landesmuseum, das schon wegen seiner Architektur interessant ist.

© Wie erweitert man ein Museum in einem über 100 Jahre alten Schloss? Mit einem Neubau in zeitgenössischem Sichtbeton. © Gabriel Ammon/ AURA/Schweizerisches Nationamuseum.

+++ Abschied +++

Noch etwas Zeit, bis der Flieger oder der Zug geht? Vielleicht geht sich noch ein kleiner, inspirierender Spaziergang aus. Zürich ist voller Kunst im öffentlichen Raum. Gehen Sie doch noch zur Heureka, einer kinetischen Plastik von Jean Tinguely. Oder, Stichwort Zug: zur Pavillon-Skulptur von Max Bill an der Bahnhofstraße. Oder Sie gehen Schaukeln, auf dem überdimensionalen Y des Künstlers Sislej Xhafa im Hardaupark in Zürich-West. Die verleiht Ihnen auch den nötigen Schwung für die Heimreise.

Die begehbare Pavillon-Skulptur des Künstlers Max Bill nahe der Bahnhofstraße besteht aus 63 gleich großen Granitquadern. © Christian Beutler/ Zürich Tourismus.
Nutzlos im besten Sinne: Die Heureka-Plastik von Jean Tinguely steht seit 1967 einfach so am Zürichhorn. Und manchmal (zu den Betriebszeiten) bewegt sie sich sogar. © Christian Beutler/ Zürich Tourismus.

✦ Johannes Mitterer